Wie Du besser mit Hindernissen auf Deinem Weg umgehen kannst, sie transformierst und an ihnen wächst und stärker wirst!

Ein Beispiel

Ein vielleicht nachvollziehbares Beispiel: Du möchtest eine Präsentation halten und bist bestens vorbereitet. Kurz vor der Präsentation geht dein Laptop nicht mehr an. Schade, dann halt keine Präsentation. Du kannst ja nichts dafür, dass die Technik nicht will…auf Wiedersehen!

Nicht gerade eine nützliche Einstellung, oder?

Eine Alternative

Na gut, da kann ein Kollege mit der Technik aushelfen und die Präsentation ist schnell aus der Cloud wieder heruntergeladen. Doch dann geht der Beamer mittendrin kaputt. Und nun? Kein Problem, dann geht es halt auf Flipchart weiter. Und am Ende gibt es trotz aller Hindernisse eine gelungene Präsentation, denn die Zuhörer haben die Message trotzdem verstanden (und eine bedeutende, praktische Lektion gelernt).

So oder so ähnlich können Situationen schon mal laufen. Doch welches Mindset steckt dahinter?

Das Hindernis wird zum Weg oder The Obstacle is the Way

Das Buch „The Obstacle is the Way“ von Ryan Holiday baut auf das folgende Zitat von Marcus Aurelius auf (aus Selbstbetrachtungen 5.20):

„Diese [gleichgültigen Dinge, dich mich an der Erfüllung meiner Pflicht hindern] jedoch können meiner Wirksamkeit hinderlich werden; aber für mein Wollen und meine Gesinnung gibt es keine Hindernisse; denn jenes ist an bedingende Ausnahmen geknüpft, dieser kann ich eine andere Richtung geben. Denn der Verstand wendet und lenkt jedes Hindernis seiner Wirksamkeit zur Förderung des Besseren um, und so wird für eine Handlung förderlich, was dieselbe zuvor hemmen wollte, und was mir im Wege stand, eröffnet mir dann einen Weg.“

Unterschied zwischen Ergebnissen und der inneren Einstellung

Die Ergebnisse von Handlungen sind nicht immer gewiss und hängen von vielen externen Faktoren, wie z.B. Menschen, Dingen, den Naturgewalten, „Zufällen“ oder einfach dem Schicksal, ab.
Ein Stoiker macht sich nicht abhängig von Schicksal oder Ergebnissen von Handlungen; er weiß, dass das Schicksal ihm einen Strich durch die Rechnung machen kann. (Im Englischen wird das gerne mit „fate permitting“ dargestellt, s. auch dieser Artikel zum Thema Ziele setzen).

Bei der inneren Einstellung ist das etwas anderes. Diese ist keinen Hindernissen ausgesetzt. Das Zitat von Viktor Frankl trifft es auf den Punkt

„Die letzte der menschlichen Freiheiten besteht in der Wahl der Einstellung zu den Dingen.“

Epiktet drückte es so aus (Handbüchlein der Moral, 1):

„Einige Dinge stehen in unserer Macht, andere hingegen nicht. In unserer Macht sind Urteil, Bestrebung, Begier und Abneigung, mit einem Wort alles das, was Produkt unseres Willens ist.“ 

Das bedeutet, dass äußere Hindernisse nichts an unserer inneren Einstellung ändern (sollten).

Das bedeutet auch, dass wir eine entsprechende innere Einstellung für unsere Tätigkeiten finden sollten, damit „Kleinigkeiten“ uns nicht aus der Bahn werfen.

Hindernisse transformieren

Denn der Verstand wendet und lenkt jedes Hindernis seiner Wirksamkeit zur Förderung des Besseren um…“ heißt es im Aurelius Zitat oben. Was heißt das? Seneca verdeutlicht das, meiner Meinung nach, in seinem Buch „Von der Gelassenheit“ ganz gut:

„Wenn das Schicksal dich aus der ersten Stelle im Senat verdrängt hat, halte aus und hilf durch Zuruf, und hat man dir den Mund gestopft, halte aus und hilf durch Schweigen. Niemals ist der Einsatz eines tüchtigen Bürgers nutzlos: Man hat ihn gehört, man hat ihn gesehen“.

Der Beitrag, die Pflicht, die jeder leistet, hängt nicht an einer konkreten Form der Umsetzung, die ihm im Zweifel gar nicht möglich ist. Der Beitrag, den jeder leisten kann, ist immer von seinem eigenen Vermögen, in Form von individueller (körperlicher, geistiger, finanzieller, etc.) Fähigkeit, abhängig, aber der dahinterliegende Wille ist keinen Beschränkungen ausgesetzt. 

Oft löst die Erkenntnis, dass es der Vergleich mit anderen (Ergebnissen) das Problem ist, das Hindernis auf und Du erkennst wieder mehr von Dir selbst!

Senecas und Marcus Aurelius‘ Textstellen beziehen sich auf das Stoische Thema der „Pflichten“. Das sind die Tätigkeiten, die ein Mensch als vernünftiges Wesen gegenüber der Gesellschaft, anderen Menschen oder sich selbst zu erfüllen habe; Tätigkeiten, die sich bspw. aus den Tugenden ergeben. (vereinfacht gesagt).

Sobald sich Hindernisse in den Weg stellen, können diese Fragen den Weg frei machen

  1. Hindert mich das Hindernis wirklich an der Erfüllung meines Willens?
  2. Was kann ich tun, um mein Wollen im Rahmen meiner (jetzigen) Möglichkeiten auszudrücken?
  3. In welcher Tugend darf ich mich nun üben?

Fragen, die Du Dir vorab stellen kannst

  • Welche Einstellung (Wille) möchte ich eigentlich ausdrücken? 
  • Was ist mein Ziel (meine Pflicht)?

In der Retrospektive kannst Du Dich fragen:

  • Inwiefern hat mich das stärker gemacht?
  • Was habe ich gelernt?

Dadurch, dass Du den Hindernissen keinen Widerstand leistest, sie verwendest, um zu wachsen und um Handlungsräume zu entdecken, werden sie zum Weg, zum Teil der Reise.

Es wird immer Hindernisse geben

…und je mehr Dinge Du anpacken möchtest, umso mehr Hindernisse wird es geben. Klingt nach negativer/proaktiver Visualisierung
Macht diese Einstellung das Leben nicht unnötig schwerer?
Ich denke nicht, im Gegenteil: da ich weiß, dass der Weg nicht gerade verlaufen wird, belasten mich Hindernisse weniger. 

Ursachen für Hindernisse

Oft merkst Du vielleicht nicht, dass Du auf ein Hindernis gestoßen bist. Vielleicht hast Du auch eine automatische Reaktion auf Hindernisse entwickelt und verkriechst Dich dann bspw. mit Chips vor dem Fernseher…

Deine Einstellung ist „erschütterlich“

Dann finde eine gute (im stoisch-ethischen Sinne) Einstellung.

Du vergleichst Deine Fähigkeiten mit denen der anderen

Konzentriere Dich darauf, wie Du mit Deinen Mitteln einen Beitrag leisten kannst. Nur weil Du einen Form des Beitrages besser, toller, schöner, eleganter oder ruhmreicher findest, heißt es nicht, dass Du keinen Beitrag leisten kannst. Finde Deine individuelle Ausdrucksform.

Du findest die anzuwendende Tugend nicht

Die stoische Literatur hat jede Menge Beispiele für die Anwendung von Tugenden. Beispielsweise spielt Mäßigung vor allem bei „Wünschen und Begierden“ sinnlicher Art eine Rolle, genauso wie Tapferkeit. Tapferkeit wird auch bei Themen verlangt, bei denen Du Angst oder Trauer spürst. Geduld ist eine Unter-Tugend der Mäßigung. Manchmal darf man auch einfach tapfer das Schicksal akzeptieren. Gerechtigkeit ist gerade im Umgang mit Menschen eine Tugend. Am Ende entwickelst Du praktische Weisheit. Mehr zu den  Tugenden.

Entmutigung vs. Aufgeben

Es kann natürlich schon mal sein, dass Du Dich entmutigt fühlst oder keine Kraft mehr hast. Jeder (!) disziplinierte Mensch wird Dir bestätigen, dass er auch solche Situationen kennt. Er wird Dir aber auch bestätigen, dass er nicht aufgegeben hat. An dieser Stelle stellt sich die Frage, ob und wie man weiterhin seine Einstellung (sein Selbst) ausdrücken möchte. Hier sind Kreativität, Mut und Abstand von „sich selbst“ gefragt. 

Dein Vorhaben ist nicht förderlich für andere

Denn es geht hier (und mir) nicht darum, dass Du wie ein dummer Panzer alle Hindernisse platt machst, weil Du im Auftrag des Bösen unterwegs bist. Falls Du das irgendwie feststellst, gehe in Dich und prüfe Deine Einstellung. Und vor allem: Lass es!

Regelmäßige Selbstreflexion

Die regelmäßige Selbstreflexion kann Dir helfen, hinderliche Situationen zu erkennen. Und mit den o.g. Fragen hast Du eine Möglichkeit, solche Situationen zu hinterfragen und zu lösen. Mehr zu einer Selbstreflexions-Routine findest Du auch im Artikel zum Thema „So wirst Du tugendhafter„.

Ist das Mindset noch aktuell?

Kann es sein, dass dieses Mindset gar nicht mehr in unsere Welt passt? In einer Welt, in der es immer um erfolgreiche und immer gleich re-produzierbare Ergebnisse geht, unabhängig von der Einstellung dahinter? Dass vielleicht weniger auf die individuellen Fähigkeiten geschaut wird und die Einteilung von gut und schlecht auf Basis von Ergebnissen basiert?
Oder sollte genau dieses Mindset wieder mehr gefördert werden?

Fazit

Wenn ich zwei Dinge aus der Beschäftigung mit diesem Thema gelernt habe, sind es die folgenden:

Prüfe die „Unerschütterlichkeit“ Deiner Einstellung und denke daran, dass es auch anders laufen kann.