Wenn es eine Form der Wirkung der Zukunft auf die Gegenwart gibt, dann vielleicht in Form der Erwartung.
Morgen wird alles besser. Morgen mache ich dies. Morgen habe ich bestimmt Lust darauf. Morgen werde ich glücklicher sein. Oder: Morgen wird schlimm. Ich werde mich das nicht trauen.

Bei aller Planung, die gewiss auch wichtig ist, ermahnt uns Seneca hier, dass wir genau das nicht vergessen sollten, was uns am nächsten ist: das Jetzt.

Und es geht nicht darum, nicht zu planen, sondern das Jetzt nicht durch neblige Erwartungen zu verbessern oder zu verschlechtern. 

Wie illusorisch könnte eine Erwartung sein? Ist Morgen doch auch nur ein Jetzt…

„Das größte Lebenshindernis ist die Erwartung: Abhängig vom Morgen, verliert sie das Heute.
Wonach hältst du Ausschau? Alles Künftige ist ungewiß: Lebe jetzt.“
– Seneca, Von der Kürze des Lebens III