Archive: Zitate

Seneca – Leben im Jetzt

Wenn es eine Form der Wirkung der Zukunft auf die Gegenwart gibt, dann vielleicht in Form der Erwartung. Morgen wird alles besser. Morgen mache ich dies. Morgen habe ich bestimmt Lust darauf. Morgen werde ich glücklicher sein. Oder: Morgen wird schlimm. Ich werde mich das nicht trauen. Bei aller Planung, die gewiss auch wichtig ist, ermahnt uns Seneca hier, dass wir genau das nicht vergessen sollten, was uns am nächsten ist: das Jetzt. Und es geht nicht darum, nicht zu planen, sondern das Jetzt nicht durch neblige Erwartungen zu verbessern oder zu verschlechtern.  Wie illusorisch könnte eine Erwartung sein? Ist Morgen...

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Marcus Aurelius – Unwillig

In dieser „Selbstermahnung“ erinnert sich Marcus Aurelius „kurz“ an Ideen aus seiner Philosophie. Ich möchte das Zitat umformulieren – statt es historisch, stoisch-philosophisch oder therapeutisch einzuordnen. Wie würde man solche kurzen Regeln vielleicht heute schreiben? „Kommt das, was zu tun ist, auch anderen zu Gute und tust Du es fokussiert, ruhig und mit Bedacht?“ Was würde eine solche Einstellung bewirken? Tue nichts mit Unwillen, nichts ohne Rücksicht aufs Gemeinwohl, nichts übereilt, nichts in Zerstreuung. – Marcus Aurelius, Selbstbetrachtungen, III...

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Musonius – Gewöhnung oder Belehrung

Immer wieder präsentiert sich die Philosophie der Stoa als eine lebenspraktische. So wird auch die Antwort auf die Frage, ob Gewöhnung oder Theorie wirksamer sei zum Erwerb der Tugend, häufig diskutiert. Musonius liefert in der Diatribe „Ob Gewöhnung oder Belehrung stärker ist“ unter anderem das folgende Beispiel: Welchem Musiker würdest Du auf einer Veranstaltung spielen lassen: Den, der die Theorie beherrscht, aber weder Kithara spielen noch singen kann, oder den, der keine oder wenig Theorie beherrscht, dafür aber schön singen und Kithara spielen kann? Diese Beispiele verdeutlichen auch den praktischen Aspekt, auf den die Stoiker so gerne anspielen. Die...

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Seneca – Lernen fürs Leben

Das Zitat ist doch recht bekannt. Seneca legt Lucilius in Brief 106 diese Worte quasi in den Mund. Worauf will Seneca hinaus? Er kritisiert, dass man in der (Philosophen-)Schule nicht für das Leben lernt, sondern höchstens, um gelehrt zu sein. Seiner Ansicht nach ist es wichtiger, die Menschen aufs  Leben vorzubereiten. Doch wie kommt er darauf, da es in Brief 106 eher um die Körperlichkeit der Tugend geht? Da Seneca ein wenig stoische Physik (Wissenschaft) erklärt hat, nahm er an, dass Lucilius sich fragen könnte, wozu so viel Wissenschaft oder Theorie? „Der Einsatz von wenig Wissenschaft reicht zu einer...

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Seneca – Toter unter den Lebenden

Eine erste und eine vielleicht moderne Interpretation dieses Zitats könnte sein, dass man sein Leben lebt und nicht das der anderen. Dass man selbst und bewusst lebt, statt sich bewusstlos treiben zu lassen. Seneca geht es in seinem Buch „Von der Gelassenheit/Seelenruhe“ an dieser Stelle (Absatz 2.5) darum, dass ein Mensch gerade in schwierigen Situationen seinen Grundsätzen treu bleiben sollte (sie also nicht gegen andere, vermeintlich wertvollere Werte eintauscht) und auch keinen Schaden durch seine Grundsätze (Werte, Tugenden, Glaubenssätze)  nimmt – also in irgendeiner Form zu sehr beunruhigt oder verängstigt wird – sprich in Affekte oder Leidenschaften verfällt. Es...

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Mark Aurel – Kosmische Perspektive

Betrachte dich und deine Situation in Gedanken auf einem Zeitstrahl: Wie viel Zeit davon ist bereits vergangen? Wie viel Zeit wird dir folgen? Wie groß bist du im Verhältnis zur ganzen Natur? Wie groß ist das gesamte Schicksal der Natur im Vergleich zu deinem eigenen? Stoiker sehen sich und ihr Handeln als Teil von und im Einklang mit der Natur, dem großen Ganzen, der Vernunft. Die beschriebene Perspektive rückt die persönlichen Probleme in den Kontext der Natur und den Lauf der Zeit. Probleme bedeuten nicht immer die Welt und die Stoiker lehrten auch, dass einem nichts zustößt, was man...

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Epiktet – Der Weise beschuldigt niemanden

Übernimmst Du Verantwortung für Deine Gefühle oder machst Du andere oder die Umstände verantwortlich, wenn es Dir schlecht geht? „Nicht die Dinge selbst beunruhigen die Menschen, sondern ihre Meinungen und Urteile über die Dinge“. Der erste Neigung eines Menschen, der erkannt hat, dass er die Macht über seine Meinungen hat, und auf dem philosophischem Weg unterwegs ist, ist, dass er die Schuld auf sich schiebt und sich selbst mit Vorwürfen belastet. Doch der weisere Mensch erkennt, dass die Schuldvorwürfe gegenüber sich selbst nicht zielführend sind. Er ist milde und nachsichtig gegenüber anderen und sich selbst. Die Voraussetzung ist, dass er,...

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Epiktet – Akzeptiere was ist

Auf den ersten Blick könnte Epiktet uns hier raten, alles einfach so hinzunehmen; quasi Spielball der Umstände zu werden. In gewisser Weise mag das auch so sein, aber vielleicht geht es auch um Folgendes: Akzeptiere das, was Dir passiert. Welche Wahl hast Du? „Entweder ist es Zufall oder Vorherbestimmung“ – wie auch immer, die Situation ist nun so. Könntest Du die Situation vielleicht auch fehlinterpretiert haben? Denke daran, dass die Bedeutung der Situation lediglich in Deinen Gedanken existiert! Wenn Du Dich mit der Situation abfindest, hast Du die Möglichkeit, Dich ruhig, gelassen auf das zu konzentrieren, was in Deiner...

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Tritt das Bild einer sinnlichen Lust…

Tritt das Bild einer sinnlichen Lust in deine Vorstellung, so laß dich, wie bei anderen sinnlichen Einbildungen, nicht davon hinreißen, sondern die Sache soll dir ein wenig warten. Nimm dir eine Frist zur Überlegung und betrachte die beiden Hauptzeitpunkte, denjenigen, in welchem du das Vergnügen genießen, und den andern, in welchem du nach dem Genuß Reue empfinden und dich selbst heftig tadeln würdest. Dem setze sodann die Vorstellung entgegen, wie du dich freuen und dich selber loben wirst, wenn du dich enthalten hast. Scheint es dir dennoch zulässig, dich mit der Sache einzulassen, so hüte dich, nicht von dem...

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Weisheit im Hier und Jetzt

Wie einleuchtend muß es dir nicht vorkommen, daß keine andere Lebenslage zum Studium der Weisheit so geeignet sei als diejenige, in der du jetzt gerade dich befindest? – Marcus Aurelius, Selbstbetrachtungen XI 7 Jeder Umstand im Hier und Jetzt ist immer die Lebenslage, worauf man seine Weisheit anwenden darf. Welche sonst?   share tweet share pin it share share pocket e-mail print rss...

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