Was ist die Stoa?

Der Stoizismus oder die Stoa ist eine der wirkungsmächtigsten westlichen Philosophieschulen. Seinen Anfang nahm der Stoizismus ca 300 v.u.Z. in der “stoa poikile” (“Bunte Säulenhalle”) auf der Agora in Athen. Dort hat der Schulgründer Zenon von Kition angefangen zu lehren.

stoa poikile in Athen; © 2019 Ralph Kurz
Die Ausgrabungsstätte der “stoa poikile” im heutigen Athen. © 2019 Ralph Kurz

Die Säulen der Philosophie der Stoa

Tugenden der Stoa

stoa - SäulenhalleKennzeichnend für einen Stoiker im Sinne der stoischen Philosohie ist sein Streben nach “arete”, was so viel wie “Tugendhaftigkeit” bedeutet – nur ohne den ganzen historischen Ballast, den im Deutschen und auch in anderen Sprachen dieses Wort erhalten hat.

Für die Stoiker sind die Tugenden Tapferkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung sowie Weisheit die Qualitäten, die sie entwickeln und leben möchten. Denn für sie ist “arete” das einzige, was zur “eudaimonia”, einem gelingenden/glücklichen Leben, genügt.

Leben im Einklang mit der Natur

Stoa - Leben im Einklang mit der NaturDas Motto der Stoiker heißt “Lebe im Einklang mit der Natur”. Es dreht sich in ihrer Philosophie darum, seinen Platz im “Großen Ganzen” zu finden und nach ihm zu leben. Sehr früh erkannten oder postulierten sie das, was man heute als “Alles ist Eins” verstehen könnte. Nach Ansicht der Stoiker sind wir alle Teil dieses “Großen Ganzen”, da hinter allen Erscheinungen ein universell waltendes Prinzip steckt – “logos” – die göttliche Vernunft. Das Universum ist für die Stoiker stets wohlwollend, auch wenn wir als Menschen das nicht immer verstehen.

Als oberstes ethisches Prinzip haben die Stoiker die “oikeiosis” – was sie viel wie (instinktive) Selbsterhaltung bedeutet. Das bedeutet, dass der Stoiker es natürlich vorzieht, keine Schmerzen zu haben – aber wenn er welche hat, erträgt er sie gelassen. Auf Ebene der Vernunft führt oikeiosis zu einer Selbstentfaltung.

Emotionen / Leidenschaften / Affekte der Stoa

stoische GelassenheitWer nun seinen Platz im Universum und seine “Mechanismen”, wie bspw. Schicksal/Verursachung, Menschsein, Vergänglichkeit und Tod, als “natürlich” erkennt, kann lernen, damit umzugehen. Damit umzugehen bedeutet bspw., sein Schicksal akzeptieren zu lernen (amor fati – Nietzsche) und Emotionen in diesem Zusammenhang zu “managen“.

Warum sollte man “dem, was ist” Widerstand leisten? Das ist auch der Grund, weshalb die Stoiker fälschlicherweise als “emotionslos” bezeichnet werden. Was nicht heißt, dass sie Missstände nicht anpacken – doch sie brauchen den emotional verfärbten Antrieb nicht, sondern tun die Dinge, weil sie gut sind.

Das Ideal der “Freiheit von den Leidenschaften” ist die “apatheia”; die Stoiker kannten natürlich auch die Selbstgenügsamkeit (“autarkia”) sowie die Unerschütterlichkeit (“ataraxia”). Die stoische Ruhe und Gelassenheit ist auf diese Eigenschaften zurückzuführen. Allerdings sind diese Eigenschaften oft das Resultat des Strebens nach arete und wurden mal mehr mal weniger von den Stoikern in den Fokus gestellt.

Weltbürger

Sie verstanden sich als Weltbürger (Kosmopolitismus) – sozusagen sahen die Stoiker alle Menschen als Teil einer großen Weltgemeinschaft.

Stoiker verstehen sich als Weltbürger