Anthropos (ἄνθρωπος): Mensch, der Mensch als solcher. In der stoischen Anthropologie ist der Mensch das einzige Lebewesen, das vollständig von logos durchdrungen ist - dadurch von Tier und Pflanze unterschieden, aber auch am Göttlichen teilhabend.

Epiktet (Unterredungen 2.10.1) bestimmt das Menschsein wesentlich durch die prohairesis: Wir sind vor allem Wesen, deren Kraft der begründeten Wahl alles leitet und völlig frei ist. Ein "schöner Mensch" (kalos anthropos) besitzt die Tugenden (arete) - nicht äußere Gestalt, sondern innere Exzellenz (Unterredungen 3.1.6b-9). Einheit mit sich selbst - weder innerlich zerrissen noch nach außen ausgerichtet - ist das Merkmal des vollendeten Menschen (Unterredungen 3.15.13).

Marcus verbindet den Begriff durchgehend mit der Frage nach der eigentlichen Aufgabe: Was ist die Arbeit des Menschen? Was macht Menschsein aus? (5.1, 5.20, 8.1, 8.5, 8.26). Die Antwort ist immer dieselbe: das Hegemonikon richtig zu gebrauchen, gemäß logos zu handeln, für das Gemeinwohl tätig zu sein.

Kostenloses E-Book

Memento Mori

Eine philosophische Meditation über das Leben, den Tod und die Vergänglichkeit.

Mehr Infos zum E-Book →
memento mori E-Book-Cover