Arete (ἀρετή): Tugend, Güte, menschliche Exzellenz - die einzige Quelle absoluten Wertes (axia) im stoischen System. Nur Arete ist ein echtes Gut (agathos); alles andere ist adiaphoron.
Die vier Kardinaltugenden (Diogenes Laertius 7.92b) bilden eine Einheit - wer eine vollständig besitzt, besitzt alle (Tugendeinheit, Chrysipp):
Chrysipp: Das Erleben von Weisheit (phronimos) auch nur für einen Moment ist gleichbedeutend mit einer Ewigkeit der Ausübung von Arete (Plutarch, Moralia 1062). Musonius Rufus: "Der Mensch wird mit einer Neigung zur Tugend geboren" (Vorlesungen 1.7.1-2).
Marcus erwähnt alle vier Tugenden in 3.6.1 und 5.12; drei (ohne Tapferkeit) in 7.63, 8.32 und 12.15. "Lass deine Tugenden leuchten, bis du erlischt" (12.15). Seneca fasst es bündig: "Tugend ist das einzig Gute - nichts weniger als wahres und standhaftes Urteil" (Moral Letters 7.32).
Praktisch: Arete ist keine Eigenschaft, die man hat, sondern ein Vollzug - die Ausrichtung aller drei Topoi (orexis/ekklisis, horme/aphorme, synkatathesis) am logos. Das ist die Arbeit des prokoptōn.
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