Epithumia (ἐπιθυμία): Begierde - eines der vier Haupt-pathe. Irrationales Verlangen nach einem vermeintlichen externen Gut, dem zu Unrecht der Status eines wahren Gutes (agathos) zugeschrieben wird.
Die eupatheia-Entsprechung ist boulesis (vernünftiges Wünschen): Der sophos wünscht sich das wirklich Gute - arete, tugendhaftes Handeln - ohne irrationale Übertreibung. Boulesis schließt auch Wohlwollen (eunoia) und Zuneigung (aspasmos) ein (Diogenes Laertius 7.116).
Epiktet (Enchiridion 2, 48): Epithumia entsteht, wenn man äußere Dinge (Gesundheit, Ruhm, Reichtum) für Güter hält und dementsprechend begehrt. Die Korrektur: nicht Unterdrückung des Begehrens, sondern Umlenkung auf das, was wirklich in der prohairesis liegt. "Verlange nicht, dass die Dinge so seien, wie du willst - sondern wünsche, dass die Dinge so sind, wie sie sind" (Enchiridion 8).
Die Stoa unterscheidet Epithumia von natürlichen Neigungen (kathekontische Präferenzen für proegmena): Gesundheit zu bevorzugen ist vernünftig; sie zu begehren als wäre sie ein Gut - das ist Epithumia.
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