Hamartano (ἁμαρτάνω): Unrecht tun, irren, seinen Zweck verfehlen. Das zugehörige Substantiv hamartia (ἁμαρτία) bezeichnet Versäumnis, Fehler, das Anderen-Unrecht-Tun.
Epiktet (achtundzwanzigmal), Marcus (vierunddreißigmal) und Musonius Rufus (Vorlesungen 2.5.1) teilen eine wichtige Überzeugung: Niemand tut wissentlich das Schlechte - jeder Fehler entsteht aus falschen Überzeugungen (dogma), schlechter Gewohnheit (ethos) oder ungeprüften Urteilen. Das stoische Ideal ist anamartētos (ἀναμάρτητος) - fehlerlos -, das wir anstreben, auch wenn es vollständig nicht erreichbar ist.
Marcus (10.30): Das Fehlverhalten anderer soll man vom Standpunkt des eigenen Versagens aus betrachten - nicht mit Verurteilung, sondern mit Verständnis und Selbstkritik.
Die stoische Trennlinie gegenüber Aristoteles und dem christlichen Denken: Es gibt keine "tragische Schuld" und keine Erbsünde. Jeder Fehler ist das Ergebnis von Irrtum, nicht von Böswilligkeit - Philosophie heilt, indem sie die angehäuften Irrtümer aus der Seele tilgt.
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