Hegemonikon (ἡγεμονικόν): das Führende, Leitende der Seele - der pneumatische Kern des Menschen, Sitz von Wahrnehmung (phantasia), Zustimmung (synkatathesis), Antrieb (horme) und logos. Nach Chrysipp anatomisch mit dem Herz verbunden, nicht mit dem Gehirn - eine materialistisch-physiologische Verortung, die den abstrakten Vernunftbegriff unterläuft.

Der Begriff - "zum Befehlen geeignet" - wurde von den frühen Stoikern zur Bezeichnung des intellektuellen Seelenteils im Unterschied zu den Sinnen verwendet. Epiktet wendet ihn auch auf Tiere an - im Sinne ihrer "regierenden Fähigkeit", also ohne den logos-Aspekt.

Marcus verwendet das Hegemonikon als das, was den Menschen auszeichnet (12.1, 12.33): "Wie verwaltet sich Ihre herrschende Vernunft? Denn darin liegt der Schlüssel zu allem. Was übrig bleibt, sei es in der Macht deiner Wahl oder nicht, ist nur ein Leichnam und Rauch" (12.33). Während Epiktet stärker auf prohairesis setzt, bevorzugt Marcus das Hegemonikon als Leitbegriff - beide meinen jedoch dieselbe pneumatische Realität.

Die Qualität des Hegemonikon hängt vom tonos des Pneuma ab: stabiler Tonus ermöglicht klare Phantasiai und richtige Synkatathesis; gestörter Tonus erzeugt pathe.

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