Kathekon (καθῆκον): angemessene Handlung, Pflicht - das, was der Vernunft gemäß in einer gegebenen Situation zu tun ist. Zenon war laut Diogenes Laertius (7.108) der erste Philosoph, der den Begriff in diesem ethischen Sinne verwendete - abgeleitet von kathēkein: "zukommen, sich geziemen."
Das Kathekon ist die Handlung, die sich vernünftig begründen lässt (eulogon aition echon), ohne dass sie aus vollständiger Tugend hervorgeht. Es beschreibt den Bereich des angemessenen Handelns für alle vernünftigen Wesen - vom Fortschreitenden (prokoptōn) bis hin zum Weisen (sophos).
Entscheidende Unterscheidung: Das Kathekon ist die äußere Form der richtigen Handlung; das katorthoma ist dieselbe Handlung, aber aus vollständiger innerer Tugendausrichtung vollzogen. Nur der Sophos vollzieht Katorthomata; der Prokoptōn handelt kathekontisch - und das ist genug.
Marcus (6.26): Jede Pflicht im Leben ist eine Summe von Handlungen, die sorgfältige Aufmerksamkeit verdienen. Das Kathekon ist keine bürokatische Pflichterfüllung, sondern lebendige Vernunftgemäßheit im Alltag.
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