Oikeiosis (οἰκείωσις): Zugehörigkeit, Aneignung, natürliche Verbundenheit - der Prozess, durch den sich die natürliche Selbstsorge des Lebewesens auf andere ausweitet. Abgeleitet von oikos (Haus, Haushalt): das "Zu-sich-Nehmen", das Erkennen von etwas als dem eigenen Kreis zugehörig.
Die Stoa unterscheidet zwei Pole der Oikeiosis: die Selbst-Oikeiosis (Selbsterhaltung, Selbstsorge) und die soziale Oikeiosis (das Erkennen anderer als "meinesgleichen"). Chrysipp beschreibt die Ausweitung konzentrischer Kreise: von sich selbst zu Familie, Freunden, Mitbürgern, schließlich zur gesamten Menschheit - und dem Kosmos.
Epiktet hat nur einen expliziten Beleg (Unterredungen 1.19.15), setzt aber dieselbe Logik voraus: Die Vernunft, die uns mit uns selbst verbindet, verbindet uns auch mit anderen (koinos).
Marcus geht explizit zum sozialen Pol: Die herrschende Vernunft (hegemonikon) ermöglicht das Erkennen der Zugehörigkeit zur menschlichen Gemeinschaft (3.9). Oikeiosis ist die anthropologische Grundlage seiner Sozialethik - kein Imperativ von außen, sondern die Entfaltung der eigenen Natur.
Grundlage: sympatheia (kosmische Verbundenheit) und logos (gemeinsames Vernunftprinzip).
Eine philosophische Meditation über das Leben, den Tod und die Vergänglichkeit.
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