Prokope (προκοπή): Fortschritt, Verbesserung - das Voranschreiten auf dem Weg zur Tugend und zum sophos-Ideal. Der Praktizierende auf diesem Weg heißt Prokoptōn (προκόπτων): der Fortschreitende.
Der Prokoptōn ist strukturell die relevantere Figur als der Sophos: Da vollständige Weisheit in der frühen Stoa als praktisch unerreichbar gilt, beschreibt der Prokoptōn den realen Menschen in der Praxis - jemand, der die Topoi der askesis ernsthaft betreibt, der seine phantasiai sorgfältiger prüft, der synkatathesis zurückhält, wo früher blinde Zustimmung herrschte.
Epiktet entwickelt Prokope als zentrales Konzept (Unterredungen 1.4, bes. 1.4.18-22): Fortschritt ist nicht am Wissen gemessen, sondern an der Praxis - wer nicht mehr Bücher vorzeigt, sondern andere Begehren, andere Meidungen, andere Zustimmungen. Das Kriterium: Tadelt man noch andere? Lobt man sich selbst? Dann ist man kein Prokoptōn (Enchiridion 48).
Musonius Rufus warnt: Schlechte Gesellschaft kann prokope einschränken (Vorlesungen 11.53.21-22). Fortschritt ist nicht selbstläufig, sondern fragil - was den Wert kontinuierlicher askesis unterstreicht.
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