Prolepsis (πρόληψις): Vorstellung, Voreingenommenheit, Vorannahme - die primären Grundvorstellungen, die allen vernünftigen Wesen gemeinsam sind. Keine individuellen Meinungen, sondern gemeinsame Vorverständnisse: von Gut und Schlecht, von Gott, von Gerechtigkeit.
Epiktet: Die Prolepseis sind wie polierte Waffen, die man bereit halten muss (Unterredungen 1.22.9-10). Das Problem ist nicht ihr Fehlen, sondern ihre fehlerhafte Anwendung auf konkrete Fälle: Alle Menschen teilen die Prolepsis "das Gute ist erstrebenswert" - aber sie irren bei der Frage, was konkret gut ist.
Die Aufgabe der Paideia (paideia) ist es, diese Vorannahmen aufzuarbeiten und ihre fehlerhafte Anwendung zu korrigieren (Unterredungen 1.2.5-7): nicht neue Prolepseis zu schaffen, sondern die vorhandenen zu klären.
Prolepseis sind damit Ausgangspunkte, keine Endpunkte. Sie ermöglichen das Gespräch über das Gute - weil wir alle einen gemeinsamen Bezugspunkt haben - und sie können durch philosophische Bildung zur echten katalepsis verfeinert werden.
Eine philosophische Meditation über das Leben, den Tod und die Vergänglichkeit.
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